seilbahn.net | Projekte | Zukunft | 2019-04-25

Schierke: Grnes Licht fr Seilbahn zum Winterberg im Harz

Stadtrat Wernigerode stellt Weichen fr Tourismusentwicklung in Schierke am Brocken

Der kleine Ort Schierke am Fue des Brockens im Harz, bis in die 50er Jahre einer der bekanntesten Wintersportorte Deutschlands, auch das "St. Moritz des Nordens" genannt, ist dem Ziel zuknftig wieder an diese Tradition anzuknpfen, ein Stck nher gekommen: der Wernigerder Stadtrat hat in seiner letzten Sitzung am 28. Mrz das Bebauungsplanverfahren fr die geplante Seilbahn vom Ortsteil Schierke zum Winterberg und die nderung des Flchennutzungsplans auf den Weg gebracht. Diese ist Voraussetzung dafr, dass mit den "Bergwelten Schierke" ein Ganzjahreserlebnisgebiet mit Pistenflchen, Gastronomiegebude, Bus-Parkpltzen und Servicecenter am bestehenden Parkhaus "Winterbergtor" entstehen kann. Werden alle noch laufenden Verfahren planmig abgeschlossen, knnte die Seilbahn im Dezember 2020 erffnen.

Mit der bis an die niederschsische Landesgrenze hinauffhrenden Bahn erhielte Schierke eine direkte Anbindung an das Ski- und Mountainbike-Areal am Wurmberg. Dadurch wrde Schierke, dass bei Touristen bisher vor allem mit Wanderwegen, Loipen, dem Nationalpark Harz und dem Brocken punktet, zuknftig auch zu einer Destination fr alpine Skifahrer, Snowboarder, Rodler und Mountainbiker. Die an der Mittelstation der Seilbahn geplante grozgige Holz- und Wasserspiellandschaft wrde den Brockenort auch im Sommer als Ziel fr Familien weiter aufwerten.

Der Bau der Seilbahn wrde den von Beginn an vorgesehenen Abschluss eines Prozesses markieren, in dessen Rahmen bereits zahlreiche Infrastruktur-Manahmen mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von ber 40 Millionen Euro zur Entwicklung des Tourismus in Schierke umgesetzt wurden. Dazu zhlen der Bau einer neuen Erschlieungsstrae mit zwei neuen Brcken, das 2014 fertiggestellte Parkhaus "Winterbergtor", die Fugnger-brcke von dort in den Ortskern und auch das fr knapp 9 Millionen Euro gebaute Ende 2018 erffnete Eisstadion "Schierker Feuerstein-Arena". Die Stadt Wernigerode hatte diesen Prozess nach der 2009 erfolgten Eingemeindung Schierkes auf den Weg gebracht, um den Ort wieder aufwachen zu lassen und die Region zu strken und konkurrenzfhig zu machen, verbunden mit dem Ziel so auch den starken Bevlkerungsrckgang im hchstgelegenen Dorf Sachsen-Anhalts stoppen zu knnen.

Die Rechnung scheint aufzugehen. Private Investoren haben hochwertige Luxus Ferienhuser mit insgesamt 90 Betten gebaut, neben dem Hildesheimer Unternehmer Gerhard Brger, der am Winterberg gut 20 Millionen Euro in Seilbahn, Gastronomie und weitere Angebote investieren will, sind auch weitere Investoren auf Schierke aufmerksam geworden. Nach Jahren des Niedergangs und zahlreichen Betriebsschlieungen wchst das Bettenangebot wieder und mit ihm die Wettbewerbsfhigkeit des Brockenortes, denn was neu hinzukommt, zhlt ausnahmslos zur gehobenen Kategorie. Neuestes Beispiel fr den touristischen Aufbruch im Ort sind die Bergwaldlofts, neun Ferienwohnungen, die derzeit an der Alten Dorfstrae entstehen und im Herbst bezugsfertig sein sollen. "Es ist deutlich sprbar, dass es eine Belebung im Ort gibt", sagt Andreas Meling, im Wernigerder Rathaus zustndig fr die Entwicklung des Ortsteils.

Unweit der Bergwaldlofts erffnete im Dezember 2017 das Schierke-Harzresort, das in 36 teils mit eigener Sauna ausgestatteten Ferienhusern rund 180 Betten bietet. Darber hinaus verfgt es mit dem Heinrich's ber eine Gastronomie mit 60 Pltzen und einen Kinderspielplatz. Insgesamt wurden 13 Millionen Euro investiert und rund 20 Arbeitspltze geschaffen. Die Auslastung lag im ersten Jahr bei 56 Prozent, ein Wert mit dem Frank Wodsack, Geschftsfhrer der Betreibergesellschaft, sehr zufrieden ist. "Wenn die Seilbahn kommt, werden wir das sicher noch steigern knnen", riskiert Wodsack eine Prognose.

Diese Einschtzung teilt auch Seilbahninvestor Gerhard Brger, der nicht nur am Harzresort beteiligt sondern auch neuer Eigentmer des Hotels Bodeblick ist. Er hat die Grnderzeitvilla von Grund auf modernisieren lassen. Zehn Zimmer, zwei Studios und eine Ferienwohnung sind jetzt im Angebot, ebenso wie ein Tagungsraum eine Lounge und ein Restaurant. Seit Dezember 2018 leiten Daniel und Claudia Rajn, die zuvor zehn Jahre die Wurmberg-Alm auf Niedersachsens hchstem Berg gefhrt hatten, den Betrieb als Pchter. Die momentane Aufbruchsstimmung in Schierke erinnert den Hotelier Rajn an Braunlage, das sich "nach der Modernisierung des Skigebiets am Wurmberg rasant entwickelt hat".

Auf einen hnlichen Effekt setzen wohl auch noch weitere Akteure. So plant die Arborea Hotel und Resorts GmbH in Schierke ein Lifestyle-Hotel mit 110 Zimmern und 220 Betten. "Wir haben Schierke als Standort ausgewhlt, weil wir an den Harz glauben. Zudem ist der Naturbezug mir auerordentlich wichtig, denn das ist ja das Kernkonzept und der Leitgedanke von ARBOREA und hier bietet der Harz und Schierke eine Vielzahl von Mglichkeiten des Natur-Erlebens. Um diese zu bewahren, werden wir auch beim neuen Projekt auf Nachhaltigkeit beim Bau, aber auch spter im Hotel achten", so Johann Kerkhofs, Geschftsfhrender Gesellschafter der ARBOREA Hotels und Resorts. Das Haus soll Vier-Sterne-Standard (ohne DEHOGA Klassifizierung) und einen 2.500 Quadratmeter groen Wellness-Bereich bieten und setzt auf aktuelle Trends wie Natursport, Nachhaltigkeit und Design. Die Erffnung wird fr Herbst 2022 anvisiert.

Ein Mountainbiker-Hotel mit 18 Appartements und Pool mchte Investor Heiko Mannel auf dem Gelnde des "Haus Wedel" und des frheren Schierker Bauhofs errichten.

Auerdem gibt es Plne fr ein Sporthotel mit 130 Zimmern und 20 Ferienwohnungen im Ortszentrum von Schierke.

Whrend der Realisierung der in der Ortslage geplanten Beherbergungsangebote kaum noch etwas im Wege stehen drfte, hat die Seilbahn zum Winterberg hingegen noch einige Hrden zu nehmen. Neben der nunmehr erfolgten Zustimmung des Stadtrates bedarf es nmlich unter anderem auch noch eines positiven Bescheids im Rahmen des Raumordnungsverfahrens. Der ist keineswegs sicher, denn obwohl die Flche auf der die Seilbahn entstehen soll 2001 explizit zum Zwecke der Schaffung einer solchen Anbindung an den Wurmberg und seinerzeit im Konsens mit dem organisierten Naturschutz aus dem Nationalpark Harz herausgelst wurde (wofr diesem an anderer Stelle mehr als das 40-fache dieser Flchen hinzugefgt wurde), lehnt die grne Umweltministerin Claudia Dalbert das Projekt nach wie vor ab.
In Schierke ist man enttuscht darber, dass Verlsslichkeit in der Politik offenbar nichts mehr gilt, so Ortsbrgermeistern Christiane Hopstock: "Man hat dem Ort damals beim Flchentausch eine Entwicklungsperspektive versprochen und will sich jetzt an nichts mehr erinnern? Wir haben nun mit einem Investor diese einmalige Gelegenheit, die nicht mehr so schnell wieder kommt. Die mssen nur mal die alten Beschlsse lesen, dann wissen alle Beteiligten wieder, was schon lange Konsens war."




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